zur Änderung des Waldgesetzes und Windkraft im Wald
Guten Tag, Frau Frederike von Beyme,
wir, die Bürgerinitiative „Schöne Harzer Heimat Verein“, setzen uns mit vielen Menschen gemeinsam für den Schutz unserer Heimat und den Erhalt unseres Harzer Waldes ein.
Laut Ihrer Aussage in der Mitteldeutschen Zeitung vom 30.12.23 brauchen private Waldbesitzer dringend neue Einnahmequellen. Diese sollen durch die Errichtung von Windindustrieanlagen im Harz zu sprudeln beginnen. Es gäbe kaum eine andere Möglichkeit, dem Wald zu helfen, zitierte die Presse ihren Kollegen Alexander zu Stolberg-Roßla.
Dem Wald ist mit Windindustrieanlagen ganz sicher nicht zu helfen! Ein Wald braucht Bäume, die ein geschlossenes Kronendach bilden. Denn nur so kann er dem Allgemeinwohl – wie es auch unsere Verfassung vorsieht – dienen, gesund, artenreich und klimaregulierend.
„Nützen durch Schützen“ ist das Motto, nach dem alle Mitglieder des Waldbesitzerverbandes arbeiten, so ist es in Ihrer Verbandsbroschüre zu lesen. Diese sorgen durch ihre professionelle und nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes für eine Durchmischung von Baumarten und größtmögliche Biodiversität.
Da muß die Frage erlaubt sein: Wie konnte es dann in den vergangenen Jahren zu diesen massiven Schädigungen im Harz – auch auf den Flächen der privaten Waldbesitzer – kommen? Ein gesunder Wald weiß sich vor Sturm, Trockenheit und Schädlingsbefall zu schützen.
Werden jedoch umfangreiche Holzeinschläge vorgenommen, um möglichst zügig Kaufpreise zu refinanzieren, wie es offensichtlich seit vielen Jahren geschieht, gerät der Wald, erst recht, wenn er nur eine Fichtenplantage ist, aus dem Gleichgewicht. Entstandene Kahl- und Randflächen haben stürmigen Winden wenig entgegenzusetzen, Boden- und Umgebungstemperaturen erhöhen sich deutlich. Bäume beginnen zu schwächeln. Den Borkenkäfer freut’s. Und wenn dann der Regen ausbleibt …
Windindustrieanlagen bringen keine Fülle in die Natur zurück, sie füllen nur die Geldbeutel weniger Menschen. Sie zerstören Lebensräume, gefährden unser Trinkwasser, verändern Luftströmungen und damit das Wetter bzw. Klima, sind so für lokale Dürren verantwortlich. Und mit einem Lebenszyklus von 20 Jahren, an dessen Ende sie tonnenweise Müll, auch Sondermüll, hinterlassen, sind sie alles andere nachhaltig. Windstrom ist nicht klimafreundlich, gesunde Wälder sind es um so mehr. Wie passt das mit Schutz und Nachhaltigkeit zusammen?
Das Waldgesetz wird zugunsten Ihrer wirtschaftlichen Interessen geändert, doch sollten Sie nicht vergessen:
Im Art 35 der Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt sind der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere und deren Achtung als Lebewesen und Mitgeschöpfe festgeschrieben. In Art 5 ist es das Recht eines Jeden auf körperliche und seelische Unversehrtheit. Art 36 wiederum besagt: Die heimatbezogenen Einrichtungen und Eigenheiten der einzelnen Regionen innerhalb des Landes sind zu pflegen.
Windindustrieanlagen stehen im Widerspruch zu allen benannten Artikeln unserer Verfassung. Daneben tragen Sie als Waldbesitzer angesichts der weit fortgeschrittenen Zerstörung von Umwelt und Natur und dem daraus resultierenden Artensterben eine besondere Verantwortung. Gerade weil eine immense Waldfläche im Privatbesitz ist, darf der Wald nicht ausschließlich als Wirtschaftsstandort angesehen und ausgenutzt werden.
Die Erde und somit auch der Wald gehören, unabhängig von einem Kaufvertrag, keinem Minister, Waldbesitzer oder Windparkbetreiber, sie gehören uns allen, und mit UNS ALLEN meinen wir auch Tiere und Pflanzen. Wie viele bereits vergrämt und ausgerottet wurden, ist kaum noch zu zählen.
Sie geben Waldbesitzern eine Stimme, wir unserer Heimat mit all ihren wunderbaren Landschaften und Geschöpfen. Wir mißbilligen Ihr Vorhaben, Wälder in Industriestandorte zu verwandeln und Natur- und Artenschutz als auch Existenzen und Wohlbefinden der Ein- und Anwohner wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen und fordern ein Stop dieser Pläne!
Es gibt Alternativen, einen Wald nachhaltig und im Sinne aller zu nutzen! Lassen Sie uns darüber ins Gespräch kommen. Wir sehen einem Terminvorschlag zum gemeinsamen Austausch bis zum 9.2.2024 zuversichtlich entgegen.
Bürgerinitiative Schöne Harzer Heimat Verein e.V.
31.01.2024
www.harzer-heimat.de / unsere@hharzer-heimat.de